2015

ANGELIKA SEEBACHER

   

art historian, Parnass

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EVA WAGNER. Das Besondere im Alltäglichen

Man meint ein Déjà-Vu zu erleben – alltägliche, eigentlich unspektakuläre Szenen tauchen wie aus einer entfernten Erinnerung in Eva Wagners faszinierenden, vielschichtigen Bildkonstellationen wieder auf. Szenen aus unterschiedlichsten Alltagssettings, gleich Momentaufnahmen, welche die Künstlerin Schicht um Schicht in ihrem Malprozess herausarbeitet.

Dabei verbindet sie abstrakte und figurative Partien, wodurch aus zwei Welten eine neue Konstruktion entsteht. Die physische Erscheinung der Figuren steht hier nicht so sehr im Vordergrund, oft stimmen Verhältnisse und Perspektiven gar nicht überein. Vielmehr geht es Eva Wagner um das Festhalten ihres eigenen Blickes, ihrer Begegnung mit dem Anonymen. Meist sind ihre Impulsgeber Schnappschüsse, die sie zum Beispiel aus einem fahrenden Auto aufgenommen hat: Kinder am Strand mit Hunden, Menschenansammlungen auf Märkten, Fischer am Hafen oder auch einfach Passanten im städtischen Straßenbild – sie alle wirken wie aus ihrem täglichen Umfeld herausgelöst und erhalten eingefügt in Wagners feinfühlig aufgebauten Bildraum durch mehrere Schichten sensibler, reduzierter Farbigkeit eine ganz eigene, fast mystisch anmutende Aura.

Bewegung, Licht und Stimmung spielen in ihren meist großformatigen Linien- und Flächenkonstellationen ebenfalls eine wichtige Rolle. Der Betrachter wird unmittelbar in das Bild hineingezogen, spinnt durch seine eigenen Assoziationen die Geschichte weiter. Dabei sind Eva Wagners Arbeiten Dynamik und Stillstand zugleich. Einerseits hat man das Gefühl, die jeweilige Szene würde an einem vorbeiziehen – ein Eindruck von Flüchtigkeit entsteht. Die Figuren sind dabei oft selber in Aktion, die verschiedenen Phasen ihrer Bewegungsabläufe wie bei einer langzeitbelichteten Fotografie in einer einzigen Momentaufnahme dokumentiert. Gleichzeitig wirkt die Szene wie aus Raum und Zeit enthoben, so als hätte ein Film plötzlich angehalten. Sie strahlt durch diesen „Zwischenraum“ eine Ruhe aus, die an das berühmt-berüchtigte „Auge des Sturms“ denken lässt.

Eva Wagner (*1967 in Salzburg, Österreich) studierte in Wien an der Hochschule für Angewandte Kunst sowie an der Akademie für Bildende Kunst (u.a. bei Markus Prachensky und Arnulf Rainer). Es folgten zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland, Arbeitsaufenthalte in Marokko, Senegal und Indien sowie diverse Auszeichnungen, wie z.B. der Anton Faistauer Preis (2005) oder der Kapsch-Kunstpreis (2008). Zudem lehrte sie von 1994-2009 an der Universität für Angewandte Kunst in Wien. In ihrer kommenden Ausstellung in der Galerie Welz in Salzburg wird Eva Wagner einige ihrer neuesten Arbeiten präsentieren. Ihre flüchtigen Inspirationsmomente sammelt die Künstlerin unter anderem auf Reisen. Dabei geht es ihr gar nicht so sehr um die Reisedarstellung an sich, beziehungsweise die Dokumentation der Wirklichkeit, sondern vielmehr um die Atmosphäre, das Licht und vielleicht auch um das, was sich erst auf den zweiten Blick, abseits touristischer Sehgewohnheiten offenbart.

Während des Malprozesses ist es für Eva Wagner besonders spannend zu sehen, „was die Malerei mit mir selber macht“, wie sie es bezeichnet. Sie spielt dabei bewusst und unterbewusst damit, das für sie Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden – was sich dann auch in ihrem Malvorgang herauskristallisiert. Wagner lässt hierbei zunächst flüssige Farbe „wie Rinnsale, die das Bild vermessen“ in einem ebenso kontrollierten wie zufälligen Prozess vertikal und horizontal auf die Leinwand fließen, wodurch eine atmosphärische Raumstruktur entsteht, die als Hintergrund der Handlung dient. Eine Grundidee, ein zugrundeliegender Rhythmus, sei zu Beginn jeder neuen Arbeit da. Dargestelltes wird jedoch häufig wieder überschüttet, dazwischen lässt Wagner das Bild auch immer wieder über längere Zeiträume ruhen. Beim fertigen Werk ist dieses komplexe Prozedere der immer wieder neu einsetzenden Bearbeitung eines Bildes erahnbar in Form von Übermalungen und sich überlagernden Schichten, die nach zahlreichen Arbeitsvorgängen zusammen mit den Protagonisten letztlich ein harmonisches Gesamtgefüge ergeben – und aus einem alltäglichen Moment Poesie entstehen lassen.

14.9.-15.10.2016
EVA WAGNER
Galerie Welz, Salzburg

 
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